Wie wahrscheinlich so mancher von euch auch, musste ich als Teenie eine Zahnspange tragen. Oder besser gesagt: hätte eine Zahnspange tragen sollen. Hab ich natürlich nicht.

Die Kontrolltermine beim Zahnarzt waren der Horror – ich hatte die Zahnspange zwar regelmäßig nach den Anweisungen im „Zahnspangenheft“ auf die nächste Stufe verstellt, aber meine Zähne waren ja noch die gleichen. Also setzte ich die Zahnspange beim Arzt ein, litt schrecklich unter den Schmerzen der viel zu engen Spange – und ging danach wieder dazu über, die Zahnspange zu ignorieren.

Das Resultat: Meine Zähne waren nicht besser als vorher. Weil die Behandlung keinen Erfolg hatte, weigerte sich die Krankenkasse zu zahlen und meine Eltern blieben auch noch auf den Kosten sitzen.

Ein paar Jahre später störten mich meine krummen Zähne dann immer mehr. Sie waren einfach nicht „normal“, nicht gerade, manche Zähne standen sogar ab.

Ich habe mich sehr dafür geschämt.

Selfies und Videos in den sozialen Medien – die ich doch so gern nutze – wurden zum Graus für mich. Ich hörte auf, auf den Bildern zu lächeln, schnitt Grimassen so, dass meine schiefen Zähne nicht zu sehen waren oder hielt den Mund gleich ganz geschlossen. Irgendwann wusste ich dann ganz genau, wie ich in die Kamera gucken muss und aus welchem Winkel man mich möglichst NICHT fotografieren sollte.

Meine Zähne waren mir total peinlich. Ich spielte mit dem Gedanken, mir eine neue Zahnspange machen zu lassen. Eine feste, sodass ich sie nicht herausnehmen könnte. Und innenliegend natürlich, unsichtbar. Wie sieht das denn aus, mit fast 30 eine Zahnspange zu tragen? Glücklicherweise hatte ich damals nicht genug Geld für dieses kostspielige Unterfangen.

ICH HATTE MEIN SELBSTWERTGEFÜHL IN DEM GEFANGEN, WAS ANDERE LEUTE ÜBER MICH DENKEN.

Der Moment, der das alles für mich gedreht hat, kam in der Nähe von Würzburg an einer Bushaltestelle. Meine damalige Freundin (und jetzige Frau) wollte ein Foto von uns machen, um es in die Family-WhatsApp-Gruppe zu stellen. Also legte ich mein perfekt einstudiertes zahnloses Fotogesicht auf. Voller Enthusiasmus forderte sie mich auf, doch mal zu lächeln. Mir blieb nichts anderes übrig, als ihr zu erklären, wie peinlich mir meine Zähne sind.

Da schaut sie mich an und sagt:

„Sebastian, wenn du lächelst, hast du vielleicht nicht das schönste Lächeln, bist aber vielleicht die glücklichste Person im Raum.“

Wow … 

Das hat mich so berührt. Ich hab im Nachhinein mehrmals darüber weinen müssen. Es hat mich so getroffen – die Wahrheit, die sie da ausgesprochen hat! Und auf der anderen Seite hat sie meine Minderwertigkeitsgefühle aufgedeckt, das Gefühl, nicht perfekt zu sein, dem Ideal nicht zu entsprechen.

Meine Freundin hat dieses DENKEN, mein negatives Kopfkino, mit ihren Worten entlarvt und mir zugesprochen: „Du bist wunderbar, ich liebe dich genau so, wie du bist.“ Ein komplett neues Kopfkino (denken). Das hat mir so viel Freiheit gegeben!

Heute pfeife ich auf meine krummen Zähne und lache auf Fotos ungehemmt. Ich erzähle meine Geschichte und mache mir keine Gedanken mehr darüber, dass ich hässlich sein könnte. Mein Kopfkino hat sich verändert!

Ich weiß aus so vielen Gesprächen mit Erwachsenen – weit älteren als ich, aber auch mit jüngeren -, dass wir alle mit solchen Gedanken (Kopfkino) zu kämpfen haben.

Auch du kannst bestimmt Dinge benennen, die du an dir zu groß, zu klein, zu dick, zu dünn oder einfach hässlich findest und die du gern ändern würdest.

Ich wünsche mir, dass du erkennst, dass du trotz allem wunderschön und geliebt bist. Genau richtig. Und eben einzigartig du. Egal, was dein Umfeld dir versucht zu suggerieren oder wie die Menschen mit dir umgehen: Du bist wunderbar und einmalig.

Auch wenn du nicht daran glaubst: Du hast einen Papa im Himmel, der dich unheimlich lieb hat, mit all deinen Ecken und Kanten – genau wegen der Ecken und Kanten bist du ja so besonders! Ich wünsche mir, dass du dich so annehmen kannst, wie du bist, dass du dankbar sein kannst dafür, dass du so bist wie du bist.

Ich bin meiner Frau jetzt noch dankbar, dass sie in dem Moment eine sehr unangenehme WAHRHEIT ausgesprochen hat. Es war echt schwer, mir einzugestehen, wie stark meine Eitelkeit und die (angebliche) Meinung anderer mein Kopfkino verseucht hat und Verhalten beeinflusst hatten.

Ich hoffe, dass du den Mut hast, unangenehmen Wahrheiten ins Gesicht zu schauen, um auf der anderen Seite des blöden Aha-Moments in Freiheit leben zu können.

Lass dich nicht zurückhalten von Lügen, die dich kleinhalten und niederdrücken! Vielleicht kommt das sogar von Menschen, die dir nahe stehen. Oder die Gesellschaft redet dir ein, wie du sein sollst. Oder du selber machst dich wegen angeblicher Mängel an deinem Körper verrückt, weil du dich mit anderen vergleichst. Entlarve die Lügen, die sich in deinem Denken eingepflanzt haben, benenne sie und fang an, in Freiheit zu leben. Du bist wunderbar und etwas ganz Besonderes.

Wenn es dir schwer fällt, da durchzubrechen, alleine dein Denken zu verändern oder durch Minderwertigkeitskomplexe durchzuwühlen, dann schreib mir doch eine Nachricht.

Ich will dir helfen, vom negativen Denken über dich selbst frei zu werden und dich nicht länger einschränken zu lassen. Und glaube bloß nicht, dass das jetzt nicht mehr wichtig wäre, weil du schon älter bist. Oder dass du zu busy dafür bist. Dein Leben wird sich schlagartig verändern in dem Moment, wo du in Freiheit lebst.

Sei mutig und brich in die Freiheit durch!

Zum Nachdenken:

💡 Welches negative Kopfkino (negative Gedanken) über dich selbst hat sich festgesetzt?

💡 Wie schränkt dich das ein?

💡 Was würde passieren, wenn dieses Kopfkino verschwindet?

💡 Was wäre, wenn du den Film in deinem Kopfkino komplett austauscht und du beginnst, positive Gedanken zu haben?

Erzähl mal 😊

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